DER ZERBROCHNE KRUG
von Heinrich von Kleist in einer Fassung von Carlotta Huys und Theresa Thomasberger | Staatstheater Darmstadt
Mit besonderem Dank an: Gisèle Pelicot und jede einzelne Person, die den Mut hatte,
gegen geschlechtsspezifische Gewalt vor Gericht zu ziehen. Für Eve, forever.
Der Krug ist zerbrochen. Das ist sicher.
Alles weitere wird vor Gericht in Frage gestellt.
Vor Gericht steht Marthe Rull, die Ruprecht, den Verlobten ihrer
Tochter Eve, beschuldigt den Krug bei einem nächtlichen Besuch
in Eves Zimmer zerbrochen zu haben. Ruprecht beschuldigt jedoch
einen Unbekannten, der sich Zutritt zum Haus verschafft
und den Krug bei seiner Flucht vor Ruprecht durchs Fenster
zerstört hatte. Eve selbst schweigt zunächst eingeschüchtert
zu den Geschehnissen der Nacht. Und auf der Richterbank?
Dort sitzt Richter Adam, der einige verbundene
Verletzungen vorzuweisen hat – er stürzte zuhause.
Zumindest ist das seine Behauptung.
Tatsächlich war er es, der am Abend zuvor die junge Eve mit
Lügen über einen drohenden Einzug ihres Verlobten ins Militär
unter Druck setzte. Adam bedrängt sie und stellt in Aussicht,
sie könne ihren Geliebten vor diesem Schicksal bewahren wenn…
Als der scheinbar betrogene Ruprecht unerwartet die verschlossene
Tür aufbricht, flieht der Richter und verletzt sich.
Nun macht Adam in aller Öffentlichkeit sich selbst den Prozess.
Mal mit Drohungen, mal mit Schmeicheleien versucht er
seine Täterschaft zu verschleiern und den Verdacht auf
andere zu lenken. Doch seine blühende Fantasie kommt gegen
die Wahrheit nicht an. Dieses Gerichtsdrama von Heinrich von
Kleist wird vor allem durch die Dreistigkeit, mit der hier von
den Mächtigen gelogen wird, um ihre Macht zu erhalten,
zur Komödie und schlägt so den Bogen ins Heute. Die Wahrheit
zählt nicht im geringsten. Stattdessen wird sogar in Frage
gestellt, wer wirklich das Opfer ist. Mit schamlosen Mitteln
kämpft das Patriarchat um das, was ihm vermeintlich
zusteht – egal, was dabei zu Bruch geht.
Premiere: 27. Februar 2026 Staatstheater Darmstadt
Regie: Theresa Thomasberger
Bühne: Mirjam Schaal
Kostüm: Sina Manthey
Musik: Oskar Mayböck
Dramaturgie: Carlotta Huys
Licht: Tilo Latelme & Cedric Habann
Video: Moritz Jahn
Regieassistenz: Isabella Roumiantsev
Mit: Lamis Ammar, Gabriele Drechsel, Florian Donath, Laura Eichten,
Alisa Kunina & Lea Bürsching, Merle Descamps, Smilla Endrejat,
Johanna Gütlicher, Melissa Koch, Fenja Lischka, Jemima Sachapur,
Hanna Sickinger